“Die medizinische und pflegerische Situation der Demenzkranken muss dringend und nachhaltig verbessert werden“, so Prof. Hans Gutzmann, der Vorsitzende der Deutschen Alterspsychiater, bei der Vorstellung einer Studie zur Situation der Demenzversorgung im ambulanten Sektor (DIAS).
Im Rahmen der Untersuchung hat die Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie e.V. (DGGPP) alle 11.000 ambulanten Pflegedienste in Deutschland angeschrieben und Informationen zur Versorgung der von ihnen betreuten Demenzkranken erfragt.
„Viele pflegende Angehörige sind überfordert. Dies ist die Hauptursache, dass Demenzkranke ins Heim umziehen müssen“, so Prof. Hans Gutzmann zum wichtigsten Ergebnis der Studie.
Zur Befragung wurden alle bekannten ambulanten Pflegedienste in Deutschland
angeschrieben.
Von den 903 ambulanten Pflegediensten, die aktiv an der Befragung teilnahmen,
wurden insgesamt 64.970 Patienten betreut, davon hatten 12.975 (22%)
Patienten eine vom Arzt diagnostizierte Demenz.
Auf die Frage, ob unter den Patienten ohne explizite Demenzdiagnose
ihrer Einschätzung nach weitere Patienten an einer Demenz erkrankt
seien, wurden zusätzlich 6973 Patienten mit einer vom Pflegedienst
vermuteten, aber nicht ärztlich diagnostizierten Demenz genannt.
Von den 12.975 diagnostizierten Demenzpatienten erhielten mehr als
die Hälfte (55%), trotz der gesicherten Diagnose, keine medikamentöse
antidementive Therapie.
In 18% der Fälle wurden Acetylcholinesterase-Inhibitoren und in
11% Memantine verordnet.
"Andere" Antidementiva nahm mit 16% ein relativ großer
Anteil der Demenzpatienten ein.
Beispielhaft dafür ist Ginkgo Biloba, dieses wird jedoch –
obwohl zur Behandlung zugelassen und erstattungsfähig - relativ
selten auf Kassenrezept verordnet, sondern häufig auf eigene Initiative
und Rechnung besorgt. Somit liegen die ärztlichen Verordnungen
für Medikamente vermutlich noch unter 45%.
Die nicht-kognitiven Symptome der Demenz sollten leitliniengemäß
mit Psychopharmaka behandelt werden. Der Einsatz sollte auf der Basis
einer sorgfältigen Nutzen-/Risiko-Abwägung erfolgen. Besondere
Umsicht ist aufgrund des Nebenwirkungsprofils bei Neuroleptika und Benzodiazepinen
geboten.
Ein Drittel der Demenzpatienten erhielt Neuroleptika, davon 17,7% zusätzlich
zum Antidementivum und 13,6% nur das Neuroleptikum ohne ergänzende
antidementive Therapie.
Antidepressiva erhielten 12,6% der Patienten.
Benzodiazepine erhielten 7,1% der Patienten.
Eine gute Versorgung Demenzkranker kann nur im Zusammenspiel der beteiligten
Professionen erfolgen. Dazu bedarf es der gegenseitigen Wahrnehmung
und wechselseitigen Kommunikation.
Als Ansprech- und Kooperationspartner in der Betreuung der Demenzpatienten
wurden von den Pflegediensten die Angehörigen an erster Stelle
genannt, gefolgt von den Hausärzten. Fachärzte spielten eine
untergeordnete Rolle.
Die Mehrheit der Pflegedienste beklagte bei der Hälfte der behandelnden
Ärzte eine zu seltene Kontaktaufnahme.
Eine lückenhafte Informationsweitergabe bei der Entlassung nach
einem Krankenhausaufenthalt wurde deutlich. Die schriftliche Pflegedokumentation
war dabei mit einer Nennung von 54,7% die häufigste Informationsquelle.
Bei den Leistungen der Pflegedienste standen Hilfe bei der Körperpflege
an erster Stelle, gefolgt von der Behandlungspflege.
Die überwiegende Zahl der Demenzpatienten wurde täglich kontaktiert,
in der Mehrzahl der Fälle sogar mehrfach täglich.
Mehr als die Hälfte der Pflegedienste gab an, dass mehr Wissen
über Demenzen ihre Arbeit erleichtern würde.
Nur jeder zehnte Pflegedienst fühlte sich sehr gut zum Themenkreis
der Demenzen informiert.
Das Resümee von Prof. Gutzmann: “Die Studie verdeutlicht
erneut die immer drängendere Notwendigkeit, Behandlung und Pflege
von Demenzkranken aus einem „Topf“ zu finanzieren. Solange
die Demenzen nur als Pflegeproblem betrachtet werden, sind die Chancen,
die eine frühzeitige ärztliche Diagnostik und Behandlung bieten,
nicht im Fokus des Systems.
Studie zur Demenzversorgung im ambulanten Sektor – DIAS -
Grass-Kapanke / Kunczik / Gutzmann
54 Seiten, Tab. & Abb.
ISBN 978-3-935389-01-3
Die Studie ist zum Preis von € 5 erhältlich bei der
DGGPP e.V. – Geschäftsstelle
Postfach 1366
51657 Wiehl
oder per E-Mail gs(at)dggpp.de
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