Welche fachliche Versorgung brauchen Demenzpatienten und ihre Angehörigen in der Häuslichkeit? - Die aufsuchende gerontopsychiatrischen Fachambulanz in Alzey

Andreas Fellgiebel,
Rheinhessen-Fachklinik Alzey

Trotz vermehrter Aufmerksamkeit für das Thema Demenz aufgrund des demographischen Wandels und erheblicher diagnostischer Erkenntnisfortschritte in den letzten Jahren lässt die Qualität der Regelversorgung, gemessen an Leitlinienstandards, vielerorts noch sehr zu wünschen übrig. Demenzdiagnosen werden gar nicht gestellt oder erst, wenn die häusliche Versorgung auf der Kippe steht. Patienten werden wegen Verhaltensauffälligkeiten und/oder Burnout der betreuenden Angehörigen in eine komplikationsträchtige vollstationäre Behandlung eingewiesen, oft „zur medikamentösen Einstellung“. Ziel des seit Juli 2016 laufenden Modellprojektes „Aufsuchende Gerontopsychiatrische Fachambulanz (AGFA)“ an der Rheinhessen-Fachklinik Alzey ist die ambulante Stabilisierung von in der Häuslichkeit versorgten Demenzpatienten und ihren Angehörigen. Im Vordergrund steht dabei die aufsuchende „Pflegeexpertin Demenz“, die, mit einem multiprofessionellen Team im Hintergrund, selbständig Assessments durchführt sowie Beratungen und nicht-medikamentöse Therapien anwendet. Angehörige werden „dyadisch“ mitbehandelt. Hierdurch sollen das familiäre Stressniveau reduziert, typische Versorgungskrisen vermieden oder krisenhafte Zuspitzungen der Versorgung ohne stationäre Behandlung bewältigt werden. Der Einsatz von Psychopharmaka zur „Verhaltensmodulation“ spielt bei der AGFA konzeptuell hinter nicht-medikamentösen Behandlungen und ggf. Schmerzbehandlung eine untergeordnete Rolle.

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