Förderpreis zur Optimierung der Pflege psychisch kranker alter Menschen FOPPAM
Derzeit ist jeder 4. Bürger der Bundesrepublik Deutschland über 60 Jahre alt. Diese Altersgruppe wird unter anderem Dank des medizinischen und sozio-ökonomischen Fortschrittes in den nächsten Jahren überproportional ansteigen. Mit zunehmendem Alter steigt aber auch das Risiko für psychische Erkrankungen. Schon heute leiden mehr als eine Million Menschen an Demenzen und eine noch größere Anzahl an Depressionen. Sie stellen insgesamt das Gesundheits- und Sozialsystem vor eine große Herausforderung.
Solange es noch keine kausale Therapie von Demenzerkrankungen gibt, ist neben der notwendigen ärztlichen Behandlung die Begleitung, Betreuung und Pflege der chronisch Kranken durch Angehörige, Lebenspartner und professionelle Pflegepersonen sowie deren Zusammenarbeit von großer Bedeutung. Dies gilt auch für einen nicht unerheblichen Teil von Menschen mit Depressionen.
Die Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie e.V. (DGGPP) schreibt zusammen mit dem Zukunftsforum Demenz der Merz Pharmaceuticals GmbH auch dieses Jahr den FOPPAM aus. Er wird alle zwei Jahre beim Kongress der Gesellschaft verliehen, im Mai 2011 in Berlin zum achten Mal.
Den mit 5.000 € dotierten Pries erhielten die MusiktherapeutInnen Cornelia Hessenberg von der Bergischen Diakonie Aprath bei Wuppertal und Dr. Wolfgang Schmid vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Witten:
Kinder im Altenheim – ein generationsübergreifendes Musiktherapieprojekt mit dementiell veränderten alten Menschen und psychisch kranken Kindern
"Überzeugt
hat die Jury eine Idee, die in einer langen Tradition einer seit 15
Jahren bestehenden musiktherapeutischen Kooperation der
Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und dem Alten- und
Pflegeheim Haus-Otto-Ohl der Bergischen Diakonie Aprath in Wülfrath
steht: Seit 2006 gibt es einmal pro Woche eine gemeinsame Musiktherapiegruppe,
an der sich sechs Kinder und Jugendliche sowie 8-10 Heimbewohnerinnen
und -bewohner beteiligen.
Sie greifen das natürliche Bedürfnis der Teilnehmerinnen
und Teilnehmer auf, miteinander Musik zu machen. Gut nachvollziehen
konnten die Jurymitglieder die Ausführungen, dass die Generationen
durch das Me-dium Musik miteinander bekannt werden und voneinander
lernen. Die jungen Menschen erfahren von Volksliedern oder Lieblingsschlagern
der Großelterngeneration, diese wiederum erlebt Pop und höchstwahr-scheinlich
noch andere Musikstile der Jugend", so die Vorsitzende der Jury
Prof. Susanne Schäfer- Walkmann -> vollständiger
Text der Laudation
Die Begegnung von Großeltern- und Enkelgeneration im Rahmen dieses generationsübergreifenden Musiktherapieprojektes bietet Elemente der herkömmlichen Großfamilie, wie Kinder sie kaum noch kennen und alte Menschen oftmals nicht mehr haben. Beide Generationen zeigen ein großes, ganz natürliches und spielerisches Bedürfnis, miteinander Musik zu machen. Jung und Alt teilen wesentliche Lebensthemen miteinander wie die Erfahrung „krank bzw. anders zu sein“ oder „nicht mehr zu Hause in der vertrauten Um-gebung zu leben“.
Das gemeinsame Musizieren lädt zu einer Auseinandersetzung mit diesen schwierigen und tabuisierten Themen ein und trägt dazu bei, dass sich der Einzelne zugehörig und wertgeschätzt fühlt und mit seiner sozialen und kreativen Kompetenz einbringen kann. Die Kinder können von der Lebenserfahrung und der Gelassenheit der alten Menschen profitieren, während sich die alten Menschen von der Lebendigkeit und Dynamik der Kinder anstecken und inspirieren lassen. Die Musik ist hierfür ein elementares Medium. Sie bildet – z.B. in Verbindung mit Ritualen - einen strukturierenden Rahmen für vieles, was von den Kindern und den alten Menschen eingebracht und ausgedrückt werden will. Dabei stellt sich meist sehr schnell ein musikalisches Geben und Nehmen ein, das von einer freundlichen, zugewandten und stimmungsvollen Atmosphäre getragen wird.
Das Projekt ist von einer ressourcenorientierten Sichtweise auf die
jungen und die alten Menschen geprägt, die deren individuelle
Fähigkeiten und Stärken immer wieder in den Vordergrund stellt.
Ein Raum für positives Selbsterleben entsteht.
Erwachsene wie Kinder können in diesem Rahmen Seiten von sich
zeigen und erleben, die sonst oft nicht zum Vorschein kommen.
Presseinformation zum FOPPAM-Preis 2011
Weitere Informationen
Der FOPPAM
Leitfaden 2011
Wissen
Sie, was der FOPPAM ist?

